SSP019 Neutralität und Pranger

Diesmal sind wir sehr aktuell und spezifisch. Die AfD hat in mehreren Bundesländern sogenannte “Pranger” online gestellt, Websites, auf denen BürgerInnen melden sollen, wenn LehrerInnen sich im Unterricht gegen die AfD äußern und damit ihre Neutralität verletzen. Wir erklären, dass es dieses “Neutralitätsgebot” nicht gibt und wie eigentlich Lehrkräfte, besonders Politiklehrer mit Diskurs umgehen und welche Konsequenzen diese Aktion auf Schulen haben kann.

Shownotes

Der Beutelsbacher Konsens

Der MDR zu den Briefen der AfD

4 Gedanken zu „SSP019 Neutralität und Pranger

  1. Hi, ich bin keine Lehrerin. Ich dachte bisher, dass Lehrer auch irgendwelche Aussehens-Regeln haben, wie Polizisten. Polizisten dürfen doch nur natürliche Haarfarben haben und keine sichtbaren Tattoos. Hat dieser Unterschied nur mit der Uniform zu tun und gar nicht mit dem Beamtenstatus? Haben Lehrer irgendwelche Vorgaben? Könnte ein Lehrer auch mit gespaltener Zunge weiter arbeiten oder wäre damit eine Grenze überschritten?

    • Das ist sehr individuell. Ich habe diese Woche am Rande einer Fortbildung darüber geredet. Ich trage gerne alternative Sachen, bin an Stellen tätowiert, die vielleicht sichtbar, aber abdeckbar, sind und habe ein Septum Piercing in der Nase, das ich einklappen kann. Die Grundregel scheint zu sein: hängt von der Schulleitung ab und solange es nicht verfassungsfeindlich ist und versteckbar, ist es okay. Verstecken muss man es aber erst, wenn jemand ein Problem damit hat.

      Meine persönliche Einstellung ist, dass Pluralismus ein positiver Wert ist, den wir zeigen sollten. Die Idee, dass eine bestimmte Kleidung vertrauenwürdiger wirkt als andere, ist eigenartig.

  2. Nach ca. 45 Minuten sagt einer von euch, dass die Schüler “unmedial” geworden seien und Medien kaum noch konsumierten. Das finde ich (weder Lehrer noch Vater und schon lange kein Schüler mehr) interessant, da ich dachte, dass die Schüler heutzutage medialer denn je seien, jedoch dank mangelnder Medienkompetenz Schwierigkeiten mit der Einordnung hätten.

    Gibt es zu diesem Thema bereits einen Podcast von euch oder könnt ihr das mal näher ausführen? Finde ich äußerst spannend!

    Dies ist der erste Podcast, den ich von euch höre. Gefiel mir sehr gut; danke für diese Einblicke in eine Welt (Schule), in die ich schon lange nicht mehr eingetaucht bin.

    • Erstmal danke für das Lob. Das war sehr wahrscheinlich ich. 🙂 Ich weiß nicht, ob wir dazu einen Podcast hinkriegen, aber ich vermerke es mal.

      Kurz kann ich dazu sagen: Medienkompetenz ist ein Problem, aber digital natives sind nunmal versiert mit der Nutzung. Das Problem ist eher das Erkennen von falschen Informationen und da vertrete ich die These, dass die jungen Leute das genauso wenig können, wie die Alten. Das Problem ist auch, dass alle Ansätze, das zu unterrichten schon daran scheitern, dass die Lehrkräfte meist keine Ahnung haben, ob sie die Qualität einer Information einschätzen können. (Ich nehme mich da nicht zwingend aus. ;)) Allerdings nehmen junge Menschen social media gar nicht mehr außerhalb privater Kommunikation nicht wahr. Das bedeutet: viele private Kontakte, keine gemeinsame Basis darüber wie die soziale Realität aussieht. Also im Sinn von Medienkonsum: unmedial.

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