SSP013 Kompetenzen

Diesmal sprechen wir über die aktuelle Sau, die durch das didaktische Dorf getrieben wird: die Kompetenzen. Wir beschäftigen uns mit der Definition von Kompetenz, wie das in der Wirklichkeit so aussieht und warum das dann zumindest Thomas furchtbar unzufrieden hinterlässt.

Shownotes

Kompetenzbegriff nach Weinert

Rahmenlehrlpan für Versicherungskaufleute

Lehrplan PLUS Bayern

Kurzleitfaden Kompetenzorientierung der Uni Würzburg

Bayerische Kompetenzdefinition (Achtung: PowerPoint des ISB)

5 Gedanken zu „SSP013 Kompetenzen

  1. Hallo ihr zwei,
    habe mir großer Freude eurem letzten Cast gelauscht und kann die Kritik an dem Kompetenzbegriff sehr gut verstehen.
    Der Begriff scheint mir viel zu stark aufgeladen worden zu sein. Mit Blick auf den Grundschulbereich überlege ich die ganze Zeit, welche Kompetenzen hier erworben werden können und sollen. Sicher müssten da Dinge wie Lesen, Schreiben und Rechnen genannt werden. Ich hatte für meine Arbeit immer ein anderes Verständnis von Kompetenzen. Die Kinder sollten hier lernen, was es heißt, eine Schule zu besuchen. Was ein sozialer Umgang miteinander bedeutet, dass man erfolgreich mit andern Kindern und Erwachsenen umgehen kann, aber auch an verschiedenen Individuen scheitern kann. Dass beispielsweise Enttäuschungen zum Leben dazu gehören. Neben den formalschulischen Dingen haben wir an unserer Grundschule (damit meine ich alle GS) eine Brutstätte, aus dem erste Entwürfe kleiner Individuen schlüpfen, die in der Lage sein sollen auf den weiterführenden Schulen und vor allem in ihrem weiteren Leben (die Pubertät beginnt, sehr spannende Phase) für sich persönlich erfolgreich weiter zu gehen. Wobei erfolgreich individuell bestimmt werden muss. Irgendwie habe ich in diesem Spektrum immer den Kompetenzbegriff verortet. Offensichtlich habe ich es immer falsch verstanden. Aber das scheint mir der Unterschied zwischen Sozialarbeit und Lehramt zu sein.

    • Es freut mich, dass du Freude hattest. 🙂

      Ich würde dir da zustimmen. Für die Grundschule ist das genau das Ziel und soziale Interaktion kann auch kognitiv anspruchsvoll und eine Kompetenz sein. Die Definitionen, die wir da vorgelesen haben sind auch gerade für das soziale Lernen eine Katastrophe. Ich habe mich darauf nicht bezogen, weil das nicht ganz meine Welt ist. Ich finde nicht, dass du das falsch verstanden hast, sondern dass das “über einen Kamm scheren”, dass wir im Podcast auch thematisieren hier das Problem ist. Die Grundschule ist noch kein Ort des tiefen abstrakten Denkens, sondern des sozialen Handelns und Lernens und das sollte dann auch eine Kompetenz sein.

      Ich danke für diese Perspektive. 🙂

  2. Hallo ihr zwei,

    ich weiß leider nicht, wie ich euch anders kontaktieren kann, daher versuche ich es auf diesem Wege.

    Es gibt ein aktuelles spannendes Thema, bei Harald Leschs Kanal auf Youtube. Dabei geht es um die Theorie, dass durch die Abschaffung der Hausaufgaben, vielen Menschen geholfen wäre, Eltern, Schülern und Lehrern. Ich halte das durchaus auch für ein spannendes Thema in euren Podcast!

    https://www.youtube.com/watch?v=xs_slX85-Q8

  3. Die Folge hat bei mir sehr viel Kopfnicken ausgelöst. Ich hatte vor einigen Jahren das Referendariat an berufsbildenden Schulen mit Fachrichtung Wirtschaft begonnen und dann entnervt abgebrochen. In dieser Fachrichtung wird die Kompetenzorientierung auf die Spitze getrieben. Alles muss anhand von erdachten aber möglichst realistischen Lernsituationen erarbeitet werden. Das erscheint im berufsbildenden Bereich auch erstmal sehr plausibel. Allerdings bricht man sich jedes Mal einen ab, weil man sich Situationen aus Schülersicht ausdenken muss, obwohl sie als Azubi und auch später vielleicht nie in eine Position kommen, in der sie die entsprechenden Entscheidungen überhaupt treffen dürften. Wie Thomas so schön sagte, da wird ein Versprechen nicht eingelöst.

    Mal ein Beispiel aus einem meiner Entwürfe:
    “In letzter Zeit häuften sich in der Bürodesign GmbH Probleme,
    weil Mitarbeiter mit ihren Aufgaben über- oder unterfordert waren. Durch
    Stellenbeschreibungen soll die benötigte Qualifikation in Zukunft klar
    formuliert werden. Für die Stelle „Gruppenleiter/in der Polsterei“ wurden
    folgende Aspekte zusammengetragen. Als Mitarbeiter der
    Personalabteilung sollen Sie diese den Bestandteilen der
    Stellenbeschreibung zuordnen.”
    Die Schüler waren Fachoberschüler, die einfach nur die Stellenbeschreibung mit Ihren Bestandteilen begreifen sollen. Zumal man die Aufgabe soweit herunterbrechen muss, dass es schon wieder unrealistisch ist. In welchem größeren Unternehmen hat denn noch nie einer etwas von einer Stellenbeschreibung gehört und fängt quasi bei null an?

    Das absurdeste in meinem Referendariat war das Lernfeld “Verkaufsgespräche führen”, bei denen die Schüler in einem Fake-Verkaufsraum mit Fake-Produkten aus Pappe o. ä. bei einem Verkaufsgespräch gefilmt wurden. Zusammen mit den Mitschülern wird dieses Video dann ausgewertet. Da ist die Aufregung des Schülers doch dermaßen hoch, dass es eher kontraproduktiv wird und die Mitschüler darin eher Entertainment sehen. Die Lehrkräfte (einschließlich meiner Fachleiter und Mentoren) fanden das aber großartig, weil realitätsnah.

    Ich hoffe, dass dieses Elend an den Berufsschulen bald ein Ende hat. Aber im Moment werden die Lehrpläne dahingehend sogar noch “verfeinert”. Ich möchte jetzt nicht noch weiter ranten und danke euch für den Podcast.

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